Live dabei Ski amadé in Salzburg
Zauchensee in Schnee gehüllt
03.Sep.2020

Erste Hilfe beim Wandern

Erste Hilfe beim Wandern | © Shutterstock

Das A und O für ein schönes und sicheres Bergerlebnis sind eine gute Vorbereitung und die ehrliche Selbsteinschätzung darüber, wo die eigenen Grenzen der körperlichen Belastbarkeit liegen. Trotz aller Umsicht kann jeder einmal umknicken oder stürzen. Auch kleinere Wunden zieht man sich bei einer Wanderung schnell zu. Damit ihr für den Ernstfall gut gerüstet seid, haben wir die wichtigsten Erste Hilfe Maßnahmen zusammengestellt. Entscheidend sind zwei Dinge: Die Notrufnummern zu wissen und ein Erste-Hilfe-Paket dabei zu haben.

Notrufe bei Bergunfällen

Wenn eure Begleiter oder andere Wanderer einen Bergunfall hatten, lauten die obersten Grundregeln für die erste Hilfe: Bewahrt Ruhe, bleibt beim Verletzten und achtet immer auf euren Selbstschutz. Wer kann, startet Erste-Hilfe-Maßnahmen. Parallel dazu setzt ihr einen Notruf ab oder bittet andere Wanderer, bei der nächsten Hütte oder Bergbahn Hilfe zu holen. Folgende Notrufnummern solltet ihr für den Ernstfall parat haben:

140 – Über diesen Notruf erreicht ihr die Einsatzzentrale der österreichischen Bergrettung. Je nach Unfallsituation schickt die Zentrale die geeigneten Bergretter (Flugrettung oder Bodenrettungsmannschaft) los. Wichtig: Bitte bleibt an Ort und Stelle und folgt den telefonischen Anweisungen der Profis!

112 – Der Euronotruf ist europaweit mit jedem Mobiltelefon möglich, ihr braucht dafür nicht einmal eine SIM-Karte. Der Notruf ist kostenlos, funktioniert in jedem Mobilfunknetz (egal von welchem Anbieter) und das Handy muss auch nicht entsperrt werden. Wählt ihr diese Nummer, kommt ihr zur nächsten Sicherheitszentrale, in Österreich zur nächsten Polizeidienststelle. Auch hier gilt: Bitte erst auflegen, wenn die Einsatzkräfte euch das OK dazu geben!

Erste Hilfe Paket für den Rucksack

Eine kompakte Notfall-Apotheke sollte zur Standardausrüstung in eurem Wanderrucksack gehören. Tipp: Packt das Erste-Hilfe-Paket so ein, dass ihr es im Notfall nicht erst umständlich aus den Tiefen eures Rucksacks hervorkramen müsst, sondern gleich bzw. mit wenigen Griffen erreicht. Euer Notfall-Paket fürs Wandern sollte auf jeden Fall folgende Bestandteile enthalten:

  • Mund-Nasen-Schutzmaske
  • ein Verbandpäckchen (sterile, nicht haftende Kompressen)
  • Pflastersortiment (ein großes Wundpflaster und mehrere kleine Pflaster unterschiedlicher Größe oder zuschneidbare Pflasterrollen)
  • Blasenpflaster
  • eine Wundkompresse 10×10 cm
  • zwei sterile Wundverbände 10×6 cm
  • ein Dreieckstuch
  • eine Rolle Leukoplast/Tape
  • Desinfektionstupfer
  • Desinfektionsmittel oder -spray
  • Verbandschere, Pinzette (evtl. auch eine eigene Zecken-Pinzette)
  • Einmalhandschuhe
  • Alu-Rettungsdecke
  • Beatmungstuch
  • Traubenzucker
  • Signalpfeife

Erweitern könnt ihr die Notfall-Apotheke um folgende Bestandteile:

  • Antihistamin-Tabletten
  • Schmerzmittel: Ibuprofen und/oder Paracetamol (beide rezeptfrei in österreichischen Apotheken erhältlich)
  • Mittel gegen Übelkeit und Durchfall
  • Wundsalbe
  • Salbe oder Gel zum Auftragen nach Insektenstichen
  • Persönliche Arzneimittel (z. B. Asthmaspray, Mittel gegen Höhenangst, Kreislauftropfen…)

Erste Hilfe für die häufigsten Unfälle am Berg

Umknicken.

Ein falscher Schritt, ein kurzes Stolpern, und schon knickt der Fuß weg. Nicht selten führt das dazu, dass der Fuß bzw. das Sprunggelenk verstaucht und die Bänder überdehnt werden. Im schlimmsten Fall kann es zu einem teilweisen oder vollständigen Bänderriss kommen. Egal wie sehr das Sprunggelenk in Mitleidenschaft gezogen wurde – weh tut es im ersten Moment immer.

Als Erste-Hilfe-Maßnahme nach dem Umknicken hat sich bewährt, den Fuß ruhig zu halten. Das betroffene Bein sollte hochgelagert und nach Möglichkeit gekühlt werden. Vielleicht findet sich in der Nähe ein Bach oder Brunnen mit kühlem Wasser oder (im Frühjahr) ein Schneefeld. Macht in dem Fall ein Tuch nass, zieht den Schuh vorsichtig aus und legt das Tuch auf die betroffene Stelle. Alternativ könnt ihr einen Druckverband anlegen. Der stabilisiert das Gelenk und mildert eine beginnende Schwellung. Kann der Betroffene nach einer kurzen Rast ohne große Schmerzen den Fuß wieder belasten, könnt ihr ihn beim Abstieg begleiten. Wenn der Fuß nicht mehr belastbar ist, ruft bitte umgehend Hilfe (Bergrettung oder Euronotruf) und wartet mit dem Verletzten, bis die Rettungskräfte ankommen.

Sonnenstich & Hitzschlag.

Obwohl es in höheren Lagen etwas kühler als im Tal sein kann, ist die Kraft der Sonne gerade im Hochsommer groß. Auch am Berg besteht die Gefahr, einen Sonnenstich (Wärmestau im Kopf) oder Hitzschlag (der Körper kann sich durch Schwitzen nicht mehr abkühlen und überhitzt) zu erleiden. Wie ihr euch davor schützt und im Ernstfall Betroffenen helfen könnt, könnt ihr hier nachlesen: Wandern bei großer Hitze.

Schürf-, Platz- und Risswunden.

Schon durch eine kleine Unachtsamkeit könnt ihr euch eine Schürfwunde zuziehen. Das ist zwar nicht gefährlich, trotzdem solltet ihr euch die Zeit nehmen und die Wunde versorgen. Ist diese verschmutzt, spült ihr sie mit sauberem Wasser und tupft sie vorsichtig mit Mulltupfern trocken. Danach deckt ihr die Wunde mit einem Pflaster oder einem keimfreien Verband ab. Bei größeren Schürfwunden, etwa nach einem Mountainbike-Sturz, legt ihr idealerweise eine sterile Kompresse an. Je größer die Wunde, desto sorgfältiger solltet ihr sie in den nächsten Stunden und Tagen beobachten und im Zweifel lieber euren Hausarzt konsultieren.

Quetsch- und Platzwunden betreffen nicht nur die oberste Hautschicht, sondern reichen tiefer ins Gewebe. Ist die Wunde kleiner, behandelt ihr sie gleich wie Abschürfungen: Ihr setzt den Verletzten hin, reinigt die Wunde mit klarem Wasser und deckt sie mit einem sterilen Verband oder Pflaster ab. Wenn sich der Betroffene gut fühlt, könnt ihr eure Tour fortsetzen. Ist die Wunde großflächiger oder tiefer, solltet ihr nach der Erstversorgung gemeinsam mit dem Verletzten ins Tal zurückkehren, damit die Wunde genäht werden kann. Wenn der Verletzte Schmerzen hat oder nicht in der Verfassung ist, selbst den Abstieg zu schaffen, ruft bitte umgehend die Bergrettung zu Hilfe.

Wenn ein größerer Fremdkörper in der Wunde steckt, entfernt ihn bitte nicht. Es kann sein, dass er ein verletztes Blutgefäß abdeckt und dadurch eine Blutung verhindert. In dem Fall ruft ihr gleich die Bergrettung an und bleibt bis zu ihrem Eintreffen beim Verletzten. Ihr lagert ihn liegend mit leicht erhöhtem Oberkörper, haltet ihn warm und achtet darauf, wie sich sein Zustand entwickelt.

Kopfverletzung.

Nach einem Sturz oder indem man gegen einen scharfkantigen Felsen stößt – auf den Bergen kann man sich schnell am Kopf verletzen. Die Folgen sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Verletzungen wie Platzwunden, Blutergüsse, Beulen, Blutungen, Schwellungen oder im schlimmsten Fall Brüche. Bei Kopfverletzungen kann auch das Gehirn betroffen sein (z.B. Gehirnerschütterung, Schädelprellung). Darauf deuten folgende Anzeichen hin:

  • Schwindel
  • wiederholtes Erbrechen unmittelbar nach dem Vorfall und bis zu sechs Stunden danach
  • Orientierungslosigkeit, Erinnerungslücken
  • klare Flüssigkeit (Gehirnflüssigkeit) tritt aus Ohren, Nase oder Mund aus
  • plötzliche Schläfrigkeit, geistige Abwesenheit, verwaschene Sprache, plötzliche Wesensänderung, Gangunsicherheit
  • Bewusstlosigkeit
  • Krampfanfälle

So könnt ihr bei Kopfverletzungen Erste Hilfe leisten

Wenn die betroffene Person bei Bewusstsein ist, sprecht beruhigend auf sie ein und lagert sie mit leicht erhöhtem Oberkörper. Versucht, den Kopf des Verletzten so wenig wie möglich zu bewegen. Wählt den Notruf (Bergrettung oder Euronotruf) und beschreibt der Einsatzzentrale die Situation und wo ihr euch befindet. Wunden deckt ihr mit einem sterilen Wundverband ab und ihr solltet darauf achten, den Verletzten warm zu halten. Wichtig: Lasst die verletzte Person nicht alleine und beobachtet, wie sich der körperliche Zustand entwickelt (Kreislauf, Atmung, Allgemeinzustand).

Ist der Verletzte bewusstlos, ruft bitte sofort die Bergrettung an. Versucht gleichzeitig, ob ihr den Verletzten wecken könnt, zum Beispiel durch lautes Ansprechen und sanftes Schütteln oder Berühren. Überprüft die Atmung nach dem Prinzip „Hören, Sehen, Fühlen“. Atmet die Person selbständig, bringt ihr sie in die stabile Seitenlage und überprüft die Atmung so lange, bis die Rettungskräfte ankommen. Wenn ihr keine Atmung feststellen könnt, solltet ihr umgehend mit der Reanimation beginnen: Herzdruckmassage und Beatmung. Eine genaue Anleitung dafür findet ihr hier. Bittet andere Helfer, euch hierbei zu unterstützen und wechselt euch ab, bis der Betroffene wieder selbsttätig atmet oder bis die Einsatzkräfte vor Ort sind.

Mit unseren Erste Hilfe Tipps habt ihr das Rüstzeug, um im Notfall anderen Menschen helfen zu können. Selbst wenn ihr im Ernstfall trotzdem unsicher seid, was ihr tun sollt: Den Notruf wählen könnt (bzw. müsst) ihr immer. 

Wir wünschen euch einen gesunden und unfallfreien Bergsommer!

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